Die Bahn AG feiert sich im Jubiläumsjahr als modernste und beste Bahn in Europa.
Die Realität sieht anders aus. Mehr Infos...

Protestpostkarte
an Vorstandsvorsitzenden der DB AG zur Verbesserung der Fahrradmitnahme im Fernverkehr:
Buchbesprechung von Steffi Leisenheimer
Interview mit Herrn Dr. Toni Hofreiter MdB
Aktion gegen SUV
SHARED SPACE
Lebenswerte Städte durch Shared Space
Shared Space?
Ein Begriff den nicht nur Kommunalpolitiker neuerdings öfter
hören. Was steckt eigentlich dahinter? Shared Space wurde
von Hans Monderman nach seinem Motto „Unsicherheit schafft
Sicherheit“ und dem Keuning Instituut entwickelt und
in konkreten Projekten weiter ausgearbeitet, die das Ziel verfolgen
eine freiwillige Verhaltensänderung aller Nutzer des öffentlichen
Raumes durch entsprechende Verkehrsraumgestaltung herbeizuführen.
Er leitete auch das europäische Kooperationsprojekt, das
vom europäischen Interreg IIIB North Sea Programm gefördert
wurde (http://www.shared-space.de),
woran folgende europäischen Gemeinden beteiligt waren:
- Bohmte, Deutschland
- Emmen, Niederlande
- Haren, Niederlande
- Provinz Fryslân, Niederlande
- Oostende, Belgien
- Ejby (heute Teil der Kommune Middelfart), Dänemark
- Ipswich, Suffolk County, England
Projektziel: Entwicklung neuer Gestaltungskonzepte für Straßenverkehrsräume, die geeignet sind alle Funktionen gleichberechtigt zu berücksichtigen. In Deutschland gibt es nur das bisher erfolgreich verlaufende Modellprojekt in Bohmte. In Kevelaer und Bochholt existieren vergleichbare Projekte, die aber nicht Teil des EU-Programms sind. In Hamburg will die CDU/GAL-Koalition in jedem Bezirk ein Shared-Space-Projekt verwirklichen. In Berlin laufen derzeit auch Diskussionen zur Einführung von Shared Space in bestimmten Straßenzügen.
Die Theorie:
Bei Shared Space orientiert sich die Gestaltung am Mischungsprinzip.
Zusätzlich wird weitgehend auf Verkehrsschilder, Markierungen
und Ampeln verzichtet. Dadurch wird erreicht, dass sich der
Autoverkehr rücksichtsvoller ins menschliche Miteinander
aus Fußgängern, Radfahrern und spielenden Kindern
einfügt. Die Verkehrssicherheit und die Aufenthaltsqualität
erhöhen sich. Das führt dazu, dass im Zweifelsfall
der Weg der Kommunikation gesucht und das Fahrzeug gestoppt
wird, anstatt den Verkehrsteilnehmer dazu zu verleiten auf
sein Recht zu bestehen, das ihm die Verkehrschilder unter
herkömmlichen Umständen zu gestehen. Die scheinbare
Unsicherheit führt zur Entschleunigung des Verkehrs.
Die Kern-Idee von Shared Space: Verkehrsregeln sollen durch
soziale Regeln ersetzt werden. Das Verhältnis der Verkehrsteilnehmer
soll durch Blickkontakt so verändert werden, dass die
Rücksichtnahme steigt. So gilt „ständige
Vorsicht und gegenseitige Rücksicht“, wie im § 1
der StVO gefordert.
Soweit zur Theorie. Aber wie sieht die Praxis aus, die in Bohmte,
eine kleine Gemeinde mit 13.600 Einwohnern unweit von Osnabrück,
seid einem halben Jahr studiert werden kann.
Das Projekt:
Die Gelegenheit für ein Shared-Space-Projekt war gut,
denn fast alle in der Gemeinde Bohmte - die sich wunderten,
dass der meiste Verkehr vor Ihrer Haustür hausgemacht
ist – wollten die Situation ändern. Die alte Straße
machte einen schlechten Eindruck.

Um den Kritikern
die Gelegenheit zur Diskussion zu geben, wurde eine Einwohnerversammlung
durchgeführt. Das baut Ängste und Vorbehalte ab.
Außerdem mussten die Behörden überzeugt werden,
denn es handelt sich um eine Landesstraße (L 81, Bremer
Straße) mit 12.600 Kfz/Tag.
Die wichtigste Vereinbarung mit dem Land Niedersachsen und
dem Landkreis Osnabrück: Bohmte ist für die Unterhaltung
zuständig und muss die Versicherungspflicht für den
Abschnitt des Pilotprojektes übernehmen. Wenn das Projekt
scheitert, droht der Gemeinde Bohmte im Extremfall die Übernahme
der Rückbaukosten.
Die Praxis:
Seit einem halben Jahr kein einziger Unfall. Wer die Straße
entlang geht, spürt deutlich weniger Lärm, weil der
Stopp-And-Go-Verkehr wegfällt. Der Verkehr ist wirklich
flüssig. Auch die Lkw
reihen sich ohne Probleme ein.

Auf dem Platz, der eine kreisrunde Kreuzung, aber kein Kreisverkehr darstellt, wird mal links und mal rechts von der Mitte vorbeigefahren. Der Fahrradverkehr spielt sich sowohl auf der Straße als auch auf dem „gedachten“ Fußweg ab, der lediglich durch einen profilierten Blindenleitstreifen begrenzt wird.


So „sehen“ nicht nur Kinder,
sondern auch Sehbehinderte, wo der Fahrweg beginnt. Fußgängerüberwege
sind überflüssig. Besonders für Kindern, die
nur das „alte System“ kennen und die gelernt haben,
dass sie stets nur an gesicherten Überwegen die Straße überqueren
sollen, wurden gegenüberliegende, kleine Felder errichtet,
die auch aus Blindenleitprofilen bestehen.

Der Verkehr ist insgesamt sicher, die Aufenthaltsqualität und damit der Lebenswert des Ortes ist gestiegen. Alle fühlen sich wohl. Wer glaubt es herrsche das Chaos, der irrt. Von Orientierungslosigkeit keine Spur, wohl aber von gegenseitiger Rücksichtnahme.
Vorteil für den Fuß- und Fahrradverkehr: mehr Sicherheit durch reduzierte Geschwindigkeit. Vorteil für den Autoverkehr: Keine Geschwindigkeitsbegrenzung, denn die stellt sich von selber ein. Und wenn es zu Schwachverkehrszeiten mal schneller gehen soll, dann geht auch das. Natürlich nur mit der für geschlossene Ortschaften üblichen Geschwindigkeit von 50 km/h.
Erste Erkenntnisse:
Aus den ausländischen Shared-Space-Projekten ergeben sich
schon erste Erkenntnisse, obwohl ausführliche Analysen
noch ausstehen. Ein „aufgeräumtes“ Straßenbild
trägt entscheidend zur Verkehrssicherheit bei, weil es
für gute Sichtbeziehungen sorgt. Gute Sichtbeziehungen
lassen sich am Besten erreichen, indem der ruhende Verkehr
fast vollständig verbannt wird. Angenehmer Nebeneffekt:
Die neue Übersichtlichkeit trägt auch zur Verbesserung
der Straßenraumgestaltung und damit zur Verbesserung
der Aufenthaltsqualität bei.
Für Straßen und Straßenkreuzungen, für
die sich Shared Space eignet, bietet sich ein Umbau an, wenn
ohnehin die Sanierung des Kanals oder der Straßendecke
ansteht.
Vorteil für den Einzelhandel: Besonders kleine Gemeinden,
deren Geschäfte zum Teil vom durchfließenden Verkehr
abhängen, brauchen keine Bedenken zu haben, dass die Kunden
wegbleiben, weil der Autoverkehr nicht durch eine teure Umgehungsstraße
verlagert wird, damit die so genannte Laufkundschaft sich weniger
gestört fühlt, die dann aber ausbleibt, weil sie
mit dem Auto die nächste Gemeinde aufsucht.
Ein baufertiges Konzept gibt es jedoch nicht. Jedes Problem
vor Ort braucht eine maßgeschneiderte Lösung, die
sich an die räumlichen Verhältnisse orientieren.
















