Kultur und Mobilität: beides schafft Verbindungen!
Bayern-Tour vom 14.-18. Mai 2012
mit Agnes Krumwiede und Toni Hofreiter
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Straßenbauprojekte

A8 - Ost Ausbau zwischen Rosenheim und Salzburg (Landesgrenze)

Sachstand

Die Autobahn A 8, München – Salzburg, wurde in den Jahren 1934 bis 1939 erbaut und zählt damit zu den ältesten Autobahnen in Deutschland. Sie ist eine wichtige internationale Verkehrsachse zwischen dem Norden bzw. Nordwesten der Bundesrepublik und dem Süden und Südosten, insbesondere für den in- und ausländischen Wirtschaftsund Fernreiseverkehr. Die Autobahn A 8 München - Salzburg beginnt im Stadtgebiet von München und endet am deutsch-österreichischen Grenzübergang bei Bad Reichenhall.

Im aktuellen Bedarfsplan für die Bundesfernstraßen ist der 6-streifige Ausbau der A 8 zwischen Rosenheim und Frasdorf in der höchsten Priorität, im sog. „Vordringlichen Bedarf“ enthalten. Der Abschnitt zwischen dem Bernauer Berg und der Anschlussstelle Felden ist in den Weiteren Bedarf mit Planungsrecht eingestuft.

Das beabsichtigte Ausbaukonzept sieht u. a. im Hinblick auf die zunehmende Verkehrsbelastung den Ausbau auf sechs Fahrspuren plus Standstreifen vor.

Die Gesamtstrecke zwischen Rosenheim (östlich der AS Rosenheim) und der Anschlussstelle Felden ist hierbei in drei Abschnitte unterteilt. Der erste Ausbauabschnitt beginnt östlich der Anschlussstelle Rosenheim und endet östlich der Anschlussstelle Achenmühle, der zweite Ausbauabschnitt reicht von östlich der Anschlussstelle Achenmühle bis westlich der Anschlussstelle Bernau (Bernauer Berg). Der dritte Ausbauabschnitt umfasst den Bereich vom Bernauer Berg (westlich der Anschlussstelle Bernau) bis zur Anschlussstelle Felden.

Bereits bestehende Lärmschutzanlagen würden im Zuge des Streckenausbaus den aktuellen lärmschutzrechtlichen Gegebenheiten angepasst werden. Neue aktive Lärmschutzmaßnahmen, also Maßnahmen an der Straße wie beispielsweise Lärmschutzwälle und -wände würden gebaut werden.

(Infos: Autobahndirektion Südbayern, www.abdsb.bayern.de/projekte/a8o_projektinfo.php)

(Bildquelle: Bundesverkehrswegeplan)

 

Grüne Position

Maßvoller Ausbau der A 8 zwischen Rosenheim und Piding ist das Gebot der Stunde

Während der Anbau von durchgehenden Standstreifen zur Erhöhung der Sicherheit bei Pannen und Unfällen eine sinnvolle Maßnahme darstellt, ist der 6-streifige Ausbau plus 2 Standstreifen völlig überzogen, zu teuer und äußerst landschaftsunverträglich.

Die Autobahndirektion ist in der misslichen Lage, die veralteten Verkehrswegepläne des Bundes ausführen zu müssen, um einem angeblichen Verkehrswachstum den Weg zu ebnen, das so nicht mehr stattfinden wird. Mit den gegenwärtigen Verkehrszahlen lässt sich der sechsspurige Ausbau plus zwei Standstreifen ("6+2") nicht rechtfertigen und auch nicht mit Verkehrsprognosen, die von unbeschränkt verfügbarem billigen Öl ausgehen. Auch im weiteren Verlauf der Autobahn ab Salzburg in Österreich reichen für den Verkehr 4 Fahrstreifen aus.

Allerdings muss sich die Autobahndirektion den Vorwurf gefallen lassen, ihren Ermessensspielraum nicht zugunsten der Bevölkerung auszunutzen. Der Bundesverkehrsminister würde Vorschläge zu einem maßvollen und sparsamen Ausbau der A8 Ost bereitwillig annehmen. Ein solcher Vorschlag ist der vierspurige Ausbau mit zwei zuschaltbaren Standstreifen ("4+2").

Günstig geschätzt würde der sechsspurige Ausbau 600 bis 800 Mio. Euro kosten. Das ist in der Tat eine gigantische Summe, besonders in Zeiten leerer Staatskassen. Die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung, aber auch die Bürgermeister und Landräte vor Ort, müssen sich die Frage stellen: Wollen wir heute noch so viel Steuergeld für eine überdimensionierte Autobahn ausgeben oder es lieber in nachhaltige Investitionen fließen lassen? Blicken wir in die Zukunft: Zehn Jahre Bauzeit, bis die gesamte Strecke fertig ist, und zehn Jahre Nutzung - dann sind wir im Jahre 2030, und Klimakrise und Ölpreiskrise wirken sich so stark aus, dass eine sechsspurige Autobahn überflüssig und der Straßenunterhalt ein Klotz am Bein ist. Das Gebot der Stunde ist ein so sparsamer Ausbau wie möglich.

Der Flächenverbrauch bei den Ausbauvarianten darf nicht einfach anhand der Gesamtbreite verglichen werden. Beim 6+2-Ausbau geht wertvoller Boden dadurch verloren, dass die Autobahn teilweise verlegt wird und quasi ein Neubau an anderer Stelle stattfindet, während beim bestandsorientierten 4+2-Ausbau behutsam mit dem Boden umgegangen wird. Die Eingriffe in die Landschaft sind beim 6+2-Ausbau viel massiver. Außerdem bedroht die Zerschneidung der Fluren durch eine geänderte Trassenführung bäuerliche Existenzen.

Die Autobahndirektion spricht gerne von "optimalem Lärmschutz" - das hört sich gut an, und das Schöne daran ist, dass sich jeder darunter vorstellen kann, was er oder sie mag. Was meint die Behörde damit, "optimal" in welcher Hinsicht: Lärmminderung, Ästhetik oder Kosten für den Staat? Das Immissionsschutzrecht kennt keinen Lärmschutz erster und zweiter Klasse. Es kommt nur darauf an, dass der Bestandsschutz der alten Autobahn wegfällt, und dies ist bei einer wesentlichen Änderung wie dem Anbau zuschaltbarer Standstreifen gegeben. Beim 4+2-Ausbau mit zuschaltbaren Standstreifen gibt es denselben "optimalen" Lärmschutz, wie ihn die Autobahndirektion für den 6+2-Ausbau verspricht.

Es kommt nun tatsächlich darauf an, die Kräfte zu bündeln, wegzukommen vom alten Modell der Nachkriegszeit, in der Straßen Wohlstand brachten, während neue Straßen heute Lebensqualität verderben. Alle sollten an einem Strang ziehen für den landschaftsverträglichen 4+2-Ausbau der A 8 Ost mit effektiver Lärmminderung, mit mehr Verkehrssicherheit, mit Tempolimit und mit noch bezahlbaren Bau- und Folgekosten. So schaffen wir einen Zukunftsnutzen sowohl für den Verkehr als auch für die Bevölkerung.

 

Weiterführende Links

Presseartikel: Oberbayerisches Volksblatt 09.05.2011: Noch keine Entscheidung gefallen

ausbau-a8.de/

www.a8-buerger-setzen-grenzen.de/

bi-a8-frasdorf.de

bi-a8.de

robi-tempolimit.de

autobahnfreier-hoegl.de

Autobahndirektion Südbayern: www.abdsb.bayern.de/projekte/a8o_projektinfo.php

 

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