den 15. März ein öffentliches Fachgespräch zum PBefG. Programm des Fachgesprächs
Klimaschutz
Atomausstieg
Die Stromerzeugung durch Atomenergie hat durch die Klimaschutzdiskussion wieder neue Anhänger gefunden. Ich halte diese Diskussion für gefährlich und warne vor einer Renaissance dieser Hochrisikotechnolgie. Darüber hinaus zementiert Atomenergie die zentralen Strukturen der Stromerzeugung und begünstigt die massive Verschwendung von Energie.
Atomkraft ist:
- Hoch riskant
- Gesundheitsgefährdend
- Teuer
- Überholt und rückwärtsgewandt
Atomkraft ist weltweit rückläufig
Derzeit sind weltweit 442 Atomkraftwerke in Betrieb. Diese haben aber
ein Durchschnittsalter von über 20 Jahren. In den nächsten
10 Jahren müssen 114 Atomkraftwerke abgeschaltet werden, weil sie älter
als 40 Jahre sind. Im Bau sind aber effektiv nur 17 Atomreaktoren. Alle
anderen sind seit über 20 Jahren im Bau und werden deshalb wohl
nie fertig gestellt. (World Nuclear Industry Status Report 2007). Das
erste Neubauprojekt in Europa seit 15 Jahren, in Finnland, erweist sich
als ein finanzielles Desaster. Bereits nach zwei Jahren gibt es ein
Drittel Bauzeitverzögerung und bei 50% Kostensteigerung mindestens
1,5 Milliarden Euro Verluste.
Die Fachzeitschrift Nuclear Engineering International errechnete,
es werde „praktisch unmöglich sein, die Zahl der Atomkraftwerke
in den nächsten 20 Jahren konstant zu halten“. Allein um
den Status quo bei der Atomkraft weltweit zu halten, müssten in
den nächsten zehn Jahren knapp 80 Reaktoren ersetzt – also
geplant, genehmigt, gebaut und in Betrieb genommen werden. Im Schnitt
alle sechs Wochen einer! Im folgenden Jahrzehnt müssten sogar 200
Meiler ans Netz gehen – alle 18 Tage einer. Dies ist selbst für
die mächtige Atomlobby nicht zu realisieren.
Atomkraft ist riskanter denn je
Der gravierende Fachkräftemangel in der Atombranche führt
zu einem Wettbewerb um die besten Kandidaten zwischen Neubauprojekten,
Betrieb und vor allem Überwachung und Kontrolle. Mit möglicherweise
katastrophalen Folgen: alternde Atomanlagen werden von weniger und/oder
schlechter ausgebildetem Personal betrieben und überwacht.
2006 wurden bundesweit 126 Zwischenfälle in kerntechnischen Anlagen
gemeldet, davon 30 in Bayern. Der Altreaktor KKI 1 in Ohu ist nicht
gegen Flugzeugabstürze gesichert. Und das, wohl er in der Flugroute
zum Münchner Flughafen liegt. Darüber hinaus weist diese Anlage
entscheidende Sicherheitsmängel auf. Dies ist von der Gesellschaft
für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) 2007 festgestellt worden.
Atomstrom ist nicht billig für den Verbraucher
Eine Studie des Öko-Instituts entkräftet das Argument, dass Atomstrom die Energieversorgung preisgünstiger macht. Der Strompreis and der Leipziger Strombörse richtet sich nach dem teuersten Kraftwerk, das gerade noch herangezogen wird, um den allgemeinen Strombedarf zu decken. Da dies in Deutschland in der Regel Kohle- oder Gaskraftwerke sind, ändern längere Laufzeiten von Atomkraftwerken also nichts an der Höhe der Strompreise. Es steigt lediglich die Gewinnmarge von denjenigen Unternehmen, die an Atomkraftwerken beteiligt sind.
Atomkraft hat einen geringen Anteil am Endenergieverbrauch
Der Anteil der Atomenergie am Endenergieverbrauch in Deutschland betrug 2005 nur 6 Prozent. Der Anteil der Erneuerbaren betrug aber bereits 7 Prozent. Irreführend ist hier oft die Unterscheidung in Primärenergie und Endenergie. Primärenergie bezeichnet den Energiegehalt eines Brennstoffs. Entscheidend ist aber, was beim Verbraucher ankommt. Und das ist bei Atomenergie wegen des schlechten Wirkungsgrads nur etwa ein Drittel, bei der Fotovoltaik aber annähernd 100 Prozent.
Atomkraft ist nicht CO2-neutral
In der Klimaschutzdebatte, die im Moment in der BRD geführt wird,
wird immer nur jenes CO2 berücksichtigt, welches während des
Kraftwerksbetriebs direkt im Kraftwerk entsteht. Emissionen die im Ausland
anfallen, während die Brennstoffe abgebaut und bearbeitet werden,
werden in dieser Debatte in aller Regel nicht berücksichtigt. Wird
jedoch die gesamte Brennstoffspirale berücksichtigt, kommen einige
WissenschaftlerInnen zu Ergebnissen, die ein völlig anderes Bild
erzeugen.
Bei der Atomenergie entsteht CO2 hauptsächlich beim Uranabbau und
der Umwandlung des Uranerzes zu Kernbrennstoff. Da bis heute völlig
ungeklärt ist, wie mit Atommüll in Zukunft umgegangen werden
kann, ist es auch denkbar, dass bei der weiteren Behandlung des Atommülls
erhebliche Mengen an Klimagasen frei werden.
Das Ökoinstitut Darmstadt hat versucht, CO2-Gesamtbilanzen für
die verschiedenen Energieträger zu erstellen. In Gesamtbilanzen,
in denen auch der Rohstoffabbau und die Aufbereitung des Brennstoffes
berücksichtigt werden, hat sich gezeigt, dass bei der Erzeugung
von Atomstrom 25-50 Gramm CO2 pro erzeugte Kilowattstunde Atomstrom
entsteht. Das ist mehr CO2 als bei modernen Gas-Blockheizkraftwerken
emittiert wird, weil die Abwärme der AKW fast gar nicht energetisch
genutzt wird. Demgegenüber emittiert ein Gas-Blockheizkraftwerk
etwa 23 Gramm CO2 pro Kilowattstunde Strom. (Kurzbericht zum GEMIS Modell
von Januar 2001, Ökoinstitut Darmstadt)
Der Uranbergbau ist umweltschädlich und menschenverachtend
Uranerz wird sowohl in Tagebauen als auch untertags gefördert. Da die Erzkonzentrationen oft bei nur 0,1 % liegen, muss viel Erz abgebaut werden, um die benötigte Menge Uran zu gewinnen. Jede Abbauart birgt spezielle Umwelt- und Gesundheitsrisiken, da beim Uranbergbau große Mengen von radioaktivem Abfall anfallen. Dazu ein Beispiel: Um einen Reaktor vom Typ Biblis-A mit Brennstoff zu befüllen, benötigt man 33 Tonnen Brennelemente. Bei deren Erzeugung fallen rund 400.000 Tonnen an radioaktiven Abraumhalden und weitere 40.000 Tonnen ebenfalls kontaminierten Schlamm an. Diese Abfälle verbleiben am Areal der Uranmine. In den meisten Fällen befinden sich Uranbergwerke in den Siedlungsgebieten indigener Völker; weitab der industriellen Zentren.
Die Endlagerung ist völlig ungeklärt
Weltweit gibt es kein Konzept für die Endlagerung von Atommüll. Die bisherigen Versuche zur Endlagerung von schwach oder mittel radioaktivem Müll sind gescheitert. An zwei Stellen in Deutschland werden diese Abfälle bereits unterirdisch gelagert. Doch nach nur drei Jahrzehnten stellte sich heraus, dass die Experten, die diese Lagerung befürwortet hatten, mit ihren Sicherheitsprognosen völlig falsch lagen: Die „sicheren Endlager“ wie das Lager Asse bei Braunschweig kämpfen mit Wassereintritt oder brechen zusammen. Die jetzt neu gebauten Zwischenlager sind Billigbetonhallen, die keinen Schutz gegen Flugzeugabstürze bieten.
Atomenergie gefährdet die Gesundheit unserer Kinder
Eine Studie des Bundesamts für Strahlenschutz vom Dezember 2007 zeigt einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Krebsrate von Kleinkindern und deren Wohnortnähe zu einem Atomkraftwerk. Die Wahrscheinlichkeit, an Leukämie zu erkranken, ist für Kinder unter fünf Jahren um 120 Prozent höher, wenn sie in einem Umkreis von fünf Kilometern um ein Atomkraftwerk wohnen. Doch auch Erwachsene sind einem höheren Risiko ausgesetzt. Physiker halten es für wahrscheinlich, dass jedes Atomkraftwerk in Deutschland an etwa 200 zusätzlichen Krebserkrankungen Schuld ist.
Atomenergie kassiert Milliarden an Subventionen
Die bisher in die Unterstützung der Atomenergie gelaufenen Subventionen werden von Experten mit 90 Milliarden Euro beziffert. Die Strombetreiber sind verpflichtet, Rückstellungen für einen Reaktorrückbau (Abriss) zu bilden. Diese Summen belaufen sich auf etwa 28 Milliarden €. Sie sind steuerfrei. Die Kosten für die Endlagerung von Atommüll sind nicht abschätzbar und müssen von der Allgemeinheit bezahlt werden. Schon jetzt wurden für die Erforschung des Standorts Gorleben 1,3 Milliarden € aufgewendet. Das Risiko eines Reaktorunfalls ist nicht versicherbar. Für Schäden unvorstellbaren Ausmaßes kommt die Allgemeinheit auf.
Uran ist endlich
Nach einer Studie im Auftrag von Greenpeace ist der Rohstoff Uran bei
gleichbleibendem Bedarf bis etwa 2040 gesichert. Die bekannten Vorräte
reichen aber nicht aus, um irgendeine nennenswerte Zunahme der Stromerzeugung
aus Atomenergie abzudecken.
Da die sekundären Quellen, zum Beispiel verschrottete Atomwaffen,
versiegen werden, muss die Uran-Produktion aus Bergbau bis 2023 verdoppelt
werden, allein schon um den derzeitigen Bedarf weiter zu decken. Die
größten Atomstaaten wie Japan, Frankreich und die USA haben
wenige oder keine Uranvorkommen. Auch Russland importiert Uran. Seine
eigenen Vorräte reichen noch etwa 10 Jahre.
Im April 2005 besuchte eine russische Wirtschaftsdelegation den namibischen
Premierminister. Anlässlich dieses Treffens fragte der russische
Delegationsleiter launig in die Runde der anwesenden Medienvertreter: „Wir
brauchen dringend Uran, habt ihr welches?“ Der Weltmarkt sei leer
(Allgemeine Zeitung Windhoek, 21.4.2005).
Gibt es eine Versorgungslücke?
Ein gewichtiges Argument pro Aromenregie ist die so genannte Versorgungslücke,
wenn auf Atomenergie vollständig verzichtet wird. Dazu notiert
der Energiegipfel vom 3. April 2006 unter Punkt 7:
„
Eine Versorgungslücke durch das Auslaufen der Kernenergie existiert
nicht. Vielmehr wird Deutschland bis 2012 in großem Umfang seine
Stromversorgung modernisieren und mit hoch effizienten Kraftwerken und
mit einem wirtschaftlich effizienten Ausbau der erneuerbaren Energien
als heimischen Energieträgern seinen Energiemix verbreitern und
von Energieimporten unabhängiger werden.“
Dazu muss aber endlich fest stehen, dass am Atomausstieg ohne wenn
und aber fest gehalten wird. Denn so lange alte Kraftwerke Strom auf
den Markt bringen, werden keine neuen innovativen Kraftwerke gebaut,
weil die sich gegen abgeschriebene Uraltmeiler nie und nimmer rechnen.
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| 11.07.2008 |
Positionspapier: Schluss mit der Atomlüge – 12 gute Gründe gegen Atomkraft Argumentationspapier der Grünen Bundestagsfraktion |
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| DOKUMENTE DER WAHLPERIODE 2005-2009 | |
|---|---|
| Datum | Titel |
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http://www.ews-schoenau.de/Download/files/Atomenergie_Zusammenfassung.pdf
http://www.boell.de/alt/de/04_thema/3854.html
http://www.greenpeace.de/fileadmin/gpd/user_upload/themen/atomkraft/uranreport2006_lf.pdf















