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Presseartikel vom 26.09.2007

Stoiber will sich ein Denkmal setzen
Berliner Zeitung

Bayerns scheidender Ministerpräsident verkündet Bau des Transrapid-Projekts / Strecke zum Münchner Flughafen soll 1,85 Milliarden kosten / Bund warnt vor Ausgabenexplosion

Peter Kirnich und Jörg Michel

BERLIN. Der geplante Bau der ersten kommerziellen Transrapidstrecke in Deutschland ist in greifbare Nähe gerückt. Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU), der am Wochenende aus dem Amt scheidet, hat sich mit den Spitzen der Deutschen Bahn und des Herstellerkonsortiums ThyssenKrupp/Siemens auf die Finanzierung der 37 Kilometer langen Verbindung vom Flughafen im Erdinger Moos nach München geeinigt. Damit sei der endgültige Durchbruch geschafft, sagte er gestern. "Niemand wird diesen Schritt mehr rückgängig machen."

Mit dem Bau der Strecke zwischen Hauptbahnhof und Flughafen könne Mitte 2008 begonnen werden. 2012 könnte der Transrapid im Zehnminutentakt verkehren. Die Fahrzeit soll sich von bisher 45 Minuten mit der S-Bahn auf zehn Minuten verkürzen. Der Fahrpreis könnte zwischen 15 bis 20 Euro liegen.

Das Finanzierungsabkommen stößt jedoch in München und beim Bund auf große Skepsis. Nach den Plänen soll der Bund mit 925 Millionen Euro die Hälfte der Kosten tragen. Bayern stockt seinen Anteil auf 490 Millionen auf. Die Bahn will 235 Millionen Euro einbringen und der Flughafen München hundert Millionen. Schließlich habe die Industrie 50 Millionen Euro zugesagt. Bayern hofft auch, dass sich Brüssel mit 50 Millionen Euro an dem Projekt beteiligt. Die EU-Kommission hatte bisher Zuschüsse für den Transrapid stets mit der Begründung abgelehnt, dass es sich dabei um ein reines nationales Projekt handele. An dieser Einschätzung habe sich nichts geändert, bekräftigte ein Sprecher.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) warnte vor viel höheren Gesamtkosten. Die bisherige Schätzung sei fünf Jahre alt. Das Projekt werde daher deutlich teurer. Er stellte klar, dass es in einem solchen Fall keine weiteren Gelder vom Bund geben werde. Auch Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) verlangte von Bayern verbindliche Regelungen für mögliche Mehrkosten.

Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) kündigte an, die Stadt werde sich mit juristischen Mitteln gegen den Bau wehren. Die veranschlagten Kosten nannte er eine "vollkommen naive Zahl". Der Münchner Grünen-Politiker Toni Hofreiter kritisierte, "die Milliarden, die in den Transrapid gesteckt werden, fehlen zum Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs. Die Schwebebahn soll für 17 000 Fahrgäste am Tag gebaut werden. Die 730 000 S-Bahn-Nutzer dagegen schauen in die Röhre."

 

 

 

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