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Pressemitteilung vom 21.03.2007

22. März Weltwassertag:
Trinkwasserversorgung muss in öffentlicher Hand bleiben

Am 22.3. ist Weltwassertag. Die Vereinten Nationen und viele Organisationen machen an diesem Tag auf die Bedeutung des Wassers als Lebensmittel Nummer Eins und auf Gefahren aufmerksam.

In Deutschland ist die Trinkwasserversorgung weitgehend in kommunaler Hand. In Bayern wird die Trinkwasserversorgung fast ausschließlich durch kommunale Wasserwerke erbracht. Die Qualität des Trinkwassers in Bayern ist außerordentlich hoch und die Preise sind im nationalen und internationalen Vergleich moderat. Dieser Idealzustand ist in Gefahr.

Dr. Toni Hofreiter, MdB: "Internationale Wasserkonzerne drängen zunehmend auch auf den deutschen Markt. Sie möchten die kommunale Wasserversorgung übernehmen um damit Gewinne zu erwirtschaften. Als Argument wird genannt, sie könnten effizienter wirtschaften und somit die Preise senken. Erfahrungen aus dem Ausland beweisen jedoch das Gegenteil. Aus diesen Erfahrungen sollten wir lernen."

Die Weltbank zählte in den letzten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts weltweit 223 Fälle von Privatisierungen im Wasser- und Abwasserbereich. In den letzten Jahren gerieten sehr viele dieser Fälle in Schwierigkeiten. In Bolivien kam es sogar zu den bekannten „Wasserkriegen“ von Cochabamba nachdem Armenviertel nicht mehr mit Wasserleitungen ausgestattet wurden und die Wassergebühren um über 50 Prozent gestiegen waren. Dem Investor (SUEZ-Konsortium) hingegen wurde eine 12%ige Rendite-Garantie gewährt. Nach erfolgreichem Widerstand der Bevölkerung wurde die Wasserversorgung von Cochabamba schließlich wieder in die öffentliche Hand zurückgeführt. Auch im übrigen Südamerika ist das Experiment der Privatisierung der Trinkwasserversorgung gescheitert.

In Europa haben Frankreich und England den Großteil ihrer Wasserversorgung privatisiert. Bislang sind sie damit innerhalb der EU Exoten. England hat unter Thatcher sogar die Netzinfrastruktur komplett privatisiert, ein international einmaliger Vorgang. Die Erfahrungen sind ähnlich wie in Südamerika. In England ist das Leitungsnetz verrottet, die Leitungsverluste sind ungewöhnlich hoch, die Wasserqualität gesunken, Hepatitisfälle sind angestiegen, genauso die Managergehälter, Personal wurde abgebaut. Nach einer Studie der Universität Greenwich wurden jährlich mehrere Milliarden Euro aus der privatisierten Wasserversorgung an die shareholder mittels Dividenden herausgepumpt.

Dr. Toni Hofreiter, MdB: " Aus den internationalen Erfahrungen wird deutlich, dass private Profitinteressen und die Ziele der Daseinsvorsorge selten kompatibel sind. Wir sollten aus den Erfahrungen lernen und die Vorzüge unserer öffentlichen, im Wasserbereich kommunalen, Daseinsvorsorge zu schätzen wissen: kommunale Wasserwerke sind demokratisch kontrolliert, Kosten und Qualität sind transparent und sie funktionieren auch in nicht rentablen, z.B. dünn besiedelten Gegenden. Niemandem, der in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckt wird letztlich das lebenswichtige Wasser abgedreht. So soll es bleiben."

Hintergrundinfo:

Der Weltwassertag findet seit 1993 jedes Jahr am 22. März statt. Seit 2003 wird er von UN-Water organisiert. Er wurde in der Agenda 21 der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung (UNCED) in Rio de Janeiro vorgeschlagen und von der UN-Generalversammlung in einer Resolution am 22. Dezember 1992 beschlossen. Seit seiner ersten Ausführung hat er erheblich an Bedeutung gewonnen. (http://de.wikipedia.org/wiki/Weltwassertag)
Die Vereinten Nationen haben den Zeitraum von 2005 bis 2015 zur internationalen Dekade für die Aktion "Wasser für das Leben - Water for life" erklärt.
Weltweit ist Wasser ein knappes und zunehmend wirtschaftlich und militärisch umkämpftes Gut. Noch immer können 1,3 Milliarden Menschen ihr Menschenrecht auf sauberes Trinkwasser nicht wahrnehmen. 2,6 Milliarden Menschen leben ohne sanitäre Basisversorgung. Die Lösung globaler Wasserprobleme ist von herausragender Bedeutung, um die Millenniumsentwicklungsziele zu erreichen und um nachhaltige Entwicklung zu fördern.

 

 

 

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